Kachelofen Kirchmair

Grundofen in Überschlagtechnik, 2004

Entlang eines Niveausprungs vermittelt der teilverkachelte Ofen zwischen einem flachen, raumteilenden Schrank und einer freischwebenden Holztreppe ins intimere Untergeschoß. Aus dem leicht erhöhten Koch / Essbereich blickt man über den Ofen hinweg auf eine große Wohnebene und weiter zur transparenten Südostfassade, die den Blick auf das umgebende Bergpanorama eröffnet.

Die Keramik wurde in Überschlagtechnik hergestellt. Die bewusst stehengelassenen Berbeitungsspuren ziehen sich unabhängig vom Kachelraster geschlossen über die ganze Oberfläche. Auf eine Glasur wurde verzichtet.

Entwurf:
R. Gagliano, DI Hp. Gruber
Keramik:
R. Gagliano, T. Harb
Hafnerarbeit:
R. Niederhauser

Der Entwurf erfolgte in digitaler Form in Zusammenarbeit mit Architekt und Bauherrn.
Die vom 3d-Modell abgeleitete Werkzeichnung bildete die Grundlage für die Umsetzung der Keramik.

Überschlagtechnik

Diese im Barock entwickelte Technik ermöglicht, große Objekte (z.B. Kachelöfen) in einem einzigen Stück – wie eine Skulptur – zu formen. Dabei wird zuerst ein stabiles Steggerüst aus stark schamottierter Masse gebaut und dieses dann mit Platten desselben Materials überformt. So können auch komplexe Formen realisiert und mit einer über das Kachelraster hinweggreifenden Textur oder Ornamentik versehen werden. Hat das fertig modellierte Objekt eine gewisse Trockenfestigkeit erreicht, wird es in einzelne Teile zerschnitten, welche wie herkömmliche Kacheln getrocknet, glasiert und gebrannt werden.

Der Hafner setzt die gebrannten Einzelteile vor Ort zum fertigen Ofen zusammen und nimmt zugleich den feuertechnischen Innenausbau vor (Feuerraum, Züge, Revisionsöffnungen).